Schwangerschaft und Psyche
Die Schwangerschaft ist sowohl medizinisch als auch psychologisch eine besonders sensible Zeit für die Frau, das werdende Kind und das Paar. Die komplexen Wechsel- wirkungen zwischen der psychischen Situation der Frau, dem Verlauf der Schwanger- schaft und der Geburt sowie dem Outcome für Mutter und Kind werden zunehmend bewusst und erforscht.
Die Prävalenz psychischer Erkrankungen in der Schwangerschaft von 10-15% ist hoch. Neuere Studien zeigen, dass der Suizid die häufigste Ursache der mütterlichen Mortalität im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt darstellt, noch vor kardialen Ereignissen, Thromboembolien oder peripartalen Blutungen. Damit wird deutlich, dass die psychische Seite der Schwangerschaft bisher möglicherweise unterschätzt wurde. Auch die Psychologie weist immer drängender auf die Bedeutung der perinatalen Phase für die grundlegende Mutter-Kind-Bindung hin.
Diese Fachtagung lädt Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und VertreterInnen humanwissenschaftlicher Nachbardisziplinen (Psychologie/Psychotherapie, psychosoziale Beratung, Medizinethik, etc.) ein, praxisrelevante therapeutische und präventive Konzepte für die Betreuung psychisch belasteter Schwangerer zu diskutieren. Wir verfolgen diesen multiprofessionellen Ansatz aus der Überzeugung, dass das Zusammenwirken der Disziplinen zum Vorteil der Frau ist, die Startbedingungen für das Kind verbessert und uns selbst in der alltäglichen Praxis entlastet. Die Perspektive "der Anderern" mag manchmal irritieren. Sie regt unser Lernen jedoch ausserordentlich an.
Dr. med. Franz Limacher, Präsident Bodenseedialoge
Mag. Christoph Jochum, Tagungsleitung
